Im Jahr 1900 wurden in Deutschland mehr als 950 Millionen Postkarten verschickt – 100 Jahre später nicht einmal mehr 400 Millionen. Mit der Verbreitung der Telekommunikation wurde die Postkarte zurückgedrängt. Sie hat es schwer sich gegen Konkurrenten wie (Mobil-) Telefonie, SMS/MMS und eMail zu behaupten.
Dennoch ist die Postkarte unersätzlich.
Sie hat viele Vorzüge vor der Telekommunikation, die sie auch in Zukunft unschätzbar wertvoll bleiben lassen werden. Das beginnt ganz prophan beim Datenschutz. Während im Bereich der SMS und eMails die Texte bereits digital vorliegen und sich somit ohne großen Aufwand vervielfältigen und überwachen lassen, ist das bei Postkarten nicht ohne Weiteres möglich, oder zumindest nicht durchgeführt. Auch werden keine Personen-Profile auf Grundlage des geschriebenen Textes angelegt und an werbende Firmen verkauft. Aus der Tatsache, dass die Informationen auf einer Postkarte nicht elektronisch gespeichert werden, ergeben sich weitere Pluspunkte.
Um eine Postkarte zu schreiben braucht man kein spezielles Gerät. Man braucht kein Internet, keine Netzabdeckung, keinen Strom. Man kann eine Karte überall schreiben und ist nur an die Begrenzung des Platzes gebunden. Es ist nicht schon nach 140 Zeichen Schluss, man ist nicht durch eine kleine Auswahl von Schriftarten, -größen und -farben eingeschränkt. Außerdem kann man überall kleine Blumen, Herzen und Sonnen oder ganze Landschaften hineinmalen. Und ist die Postkarte erst einmal beschrieben, so kann man sie auch nach einem Absturz – auch aus größerer Höhe – noch lesen. Und das selbst bei Stromausfall und leerem Akku.
Auch beim Verfassen der Nachricht tun sich Schluchten zwischen den elektronischen Methoden und der klassischen Variante auf. Beim Schreiben einer Karte konzentriert man sich darauf – es ist nicht nebenher youtube und fefes blog offen. Man kann beim Schreiben viel mehr an den Empfänger denken und an das, was man schreibt. Und man kann diese Gefühle vielfältig übermitteln. In einer eMail ändert man vielleicht die Formulierung – aber das Schriftbild bleibt dasselbe. Es ist aber ein Unterschied, ob man verliebt an einer Karte schreibt, voller Freude oder etwa voller Groll. Auch das Schreiben an sich erfordert mehr Mühe, was die Wertschätzung des Gegenübers unterstreicht.
Außerdem ist die Methode der Übertragung eine grundlegend andere. Eine SMS oder eMail wird auf dem Weg zum Empfänger von Knotenpunkt zu Knotenpunkt des Systems kopiert und erreicht ihn somit nur als bloße Kopie gleichen Inhalts. Telekommunikation ist nur eine indirekte Verbindung. Eine Postkarte hingegen wandert tatsächlich aus den Händern des Senders in die des Empfängers – eine unmittelbare Verbindung. Ein klein wenig zeitverzögert zwar, aber dennoch.
Eine Postkarte ist wirklich da und bleibt. Eine Postkarte kann man in der Hand halten und vor allem – ein einem Schuhkarton sammeln oder an die Wand hängen! Eine eMail hat kein schönes Bild auf der Vorderseite und macht sich selbst ausgedruckt selten besonders schmuck an der Pinnwand.
Deshalb: Schreib ‘ne Karte!