2009
11.10
Autor
viola
Kategorie
Kommunikation
Kommentare
10 Kommentare

Jederzeit erreichbar – oder auch 20 Anruf(e) in Abwesenheit

Im heutigen Zeitalter, wo uns so enorme technische Möglichkeiten begleiten, begleitet uns doch auch stets der Rest der Welt. Man ist immer und überall auf dem Laufenden, wenn es um Politik, Sport, Promies und Co. geht und selbst die privaten Neuigkeiten erreichen uns überall. Sei es per mobilem Telefon (heutzutage auch Handy genannt), oder auf anderen raffinierten Geräten mit denen wir immer und überall ins Internet und chatten können.

Eigentlich eine super Sache. Auf den ersten Blick..ich frage mich oft, muss man wirklich immer und überall vom Rest der Welt begleitet werden? Muss man immer auf dem neuesten Stand sein und vor allem, muss man immer erreichbar sein?

Desto mehr Möglichkeiten es gibt, ständig “connected” zu sein, desto mehr geht es mir ehrlich gesagt auf den Geist. Das Internet zum Beispiel, bietet uns da quasi endlose Mittel, immer irgendwie mit unseren Mitmenschen in Kontakt zu treten.

Ganz klassisch der Chatroom, der heutzutage immer weniger genutzt wird, da er von Seiten wie Myspace, Facebook, Studi-/Mein-VZ und Twitter auf die eine oder andere Art abgelöst wurde. Man muss sich nichtmehr im direkten Gespräch befinden um eines zu führen und verpasst doch nichts. Nein, man erfährt vielleicht sogar einiges mehr. Wer  dennoch den direkten Dialog bevorzugt, kann über MSN, ICQ und Skype direkt mit seinem gegenüber chatten, oder sogar Gruppenkonversationen eröffnen. Dank Skype, kann man sogar miteinander “online telefonieren”.  Aber, wer hat heutzutage schon genug Zeit für ein ausgiebiges Gespräch oder einen ordentlichen Chat?! Ich eigentlich nicht.

Also was bleibt da noch? Natürlich das mobile Telefon.  Jederzeit erreichbar..was gibt es schöneres?

Nun wird die “Generation Handy” im Chorus rufen: “Nichts!”   Ich dagegen muss sagen: “Sehr viel!” Ich meine: Hey, schlimm genug, dass man immer erreichbar sein muss, aber muss man sich auch noch immer rechtfertigen, wenn man es nicht ist? Darf man denn nie mehr für sich und in Ruhe sein, ohne es jedem gegenüber rechtfertigen zu müssen, der dich bei nächster Gelegenheit, mit einem Vorwurf unterlegt fragt: “Hast du meine SMS eigentlich bekommen?”, oder direkter: “Ich habe versucht dich zu erreichen, warum bist du nicht rangegangen?”.

Und wie es die Höflichkeit gebietet, überlegt man sich eine taktvolle Ausrede. Puuuh! Sowas raubt einem echt jeden Nerv und macht einen teilweise sogar krank. Und darum, ist mein mobiles Telefon mittlerweile zu 75% der Zeit immer lautlos :)

Nun mag manch einer schimpfen, dass man doch für Notfälle erreichbar sein muss. Kann ich nur zustimmen, aber was für Notfälle kann es geben, die regelmäßig auftreten und meine Anwesenheit erfordern? Ich denke eigentlich keine. Noch bin ich kein Arzt und Lebensretter, hab es auch nicht vor zu werden und als Medieninformatiker (dieser Abschluss liegt noch in weiter Zukunft) wird es auch nicht so oft vorkommen, dass es Notfälle größter Dringlichkeit gibt, welche erfordern, dass ich jederzeit erreichbar bin. Das Telefon aber daheim zu lassen, wenn ich unterwegs bin würde ich nicht. Denn es kann immer Notfälle geben, bei denen man selbst eingebunden ist, oder einfach nur Zeuge, wo eben so ein Wunderwerk der Technik gefragt ist. Aber, das ist eine ganz andere Geschichte..

Also, was sagt ihr? Muss man jederzeit erreichbar sein? Oder darf man ruhigen Gewissens sein Telefon mal abschalten, lautlos stellen oder einfach Nachrichten und Anrufe ignorieren, wenn einem gerade einfach nicht danach ist?

Olli am 11. Oktober 2009 um 23:17

Zum Punkt mit der “taktvollen Ausrede”: Ich bin der Meinung, dass man klar und deutlich sagen darf und sagen muss, wenn man mal Ruhe braucht. Sonst trägt man nur dazu bei, dass der Eindruck entsteht, man müsse sich dafür schämen, dass man so egoistisch ist und sich tatsächlich erdreistet, mal ‘ne Auszeit zu nehmen.

Jeder kennt das Gefühl keine Lust auf seine Mitmenschen zu haben, aber kaum einer mag es zugeben. Ein total überflüssiges Tabu also, das meiner Meinung nach vorallem durch diese Notlügen am Leben gehalten wird.

Man schämt sich ja nur dafür, dass man mal einen Tag keine Lust auf Kommunikation hat, weil ja >scheinbar alle anderen< immer so toll sozial und beschäftigt sind und sich nie eine Pause nehmen müssen, nie Freiraum brauchen, immer abrufbereit sind. Man fühlt sich selbst unter Druck gesetzt, nicht als faul dazustehen, also denkt man sich eine Notlüge aus, wenn man in Wirklichkeit einfach nur mal die Beine hochlegen will. Damit setzt man dann wieder seine Mitmenschen unter Druck, die sich das nächste mal auch wieder 'ne Notlüge ausdenken müssen, um nicht fauler dazustehen als alle anderen. Usw. usf.

Genauso sollte man nicht immer nach Rechtfertigungen fragen. Was geht's dich denn an, warum ich nicht ans Handy gegangen bin? Ändert das irgendwas an der Tatsache, dass ich nicht erreichbar war? Nö. Also, was fragst du dann? :p

Olli am 11. Oktober 2009 um 23:29

Zum Punkt mit der “taktvollen Ausrede”: Ich bin der Meinung, dass man klar und deutlich sagen darf und sagen muss, wenn man mal Ruhe braucht. Durch Notlügen trägt man nur dazu bei, dass der Eindruck entsteht, man müsse sich dafür schämen, dass man so egoistisch ist und sich tatsächlich erdreistet, mal ‘ne Auszeit zu nehmen.

Jeder kennt das Gefühl keine Lust auf seine Mitmenschen zu haben, aber kaum einer mag es zugeben. Ein total überflüssiges Tabu also, das meiner Meinung nach vorallem durch diese Notlügen am Leben gehalten wird.

Oder in kurz: Höflichkeit ist manchmal total blöd.

Bootsmann am 12. Oktober 2009 um 18:08

Hey,
und tatsächlich dein Eintrag hat etwas gebracht!!!
Rate mal wer sein Handy fast den ganzen Tag lang ausgeschlatet hat!! Genauuuu , ICH !!

Christian am 12. Oktober 2009 um 20:12

Da ist auf jeden Fall sehr sehr viel wahres dran.

Aber ich kenn jemanden, der bis vor kurzem KEIN Internetanschluß hatte und geradezu Suchterscheinungen zeigte …

Es ist nunmal ein zweischneidiges Schwert – wie ALLES im Leben.

Oli am 13. Oktober 2009 um 00:33

Du sprichts mir sowas von aus der Seele. Ich komme ja aus der IT-Branche und ich werde von Kunden/Partnern immer wieder belächelt, wenn ich als IT-ler die Aussage treffe, dass ich froh sei, keinen BlackBerry zu besitzen. Da ernte ich oft nur Kopfschütteln. Ich sag dann immer: “Hey, ich lass mich doch von so einem Stück Elektronik nicht zum Sklaven machen”. Ich glaube, diejenigen denken dann an meine Worte, wenn sie mal schön am Strand sitzen und dann E-Mails aus dem Büro erhalten.
Ich hab sogar mitbekommen, dass es einige Firmen gibt, die Ihren Mitarbeitern vorschreiben, solch einen Blackberry für die ständige Erreichbarkeit bei sich zu haben – was für ein Horror ;-)

Wenn ich Leute treffe, die genervt sind, weil mal wieder ihr Handy klingelt, sag ich einfach: “Hey, du weißt schon, dass das Ding auch einen AUS-Knopf hat”

Ich hab mir auch angewöhnt, mein Skype nur noch einzuschalten, wenn ich auch erreichbar sein möchte (zum Leidwesen einiger Leute, gell Pille ;-), ich muss zugeben, das hat am Anfang ein wenig Überwindung gekostet, aber es hat sich sehr stark in meiner Produktivität wiedergespiegelt. Durch das laufende Angeschrieben-Werden und Darauf-Antworten geht doch immer sehr viel Zeit verloren.

Macht weiter so mit eurem Blog, macht Spaß über solche tagtäglichen Dinge zu lesen.

Viele Grüße

Oli (aus dem Schwabenländle ;-)

Lasse am 13. Oktober 2009 um 13:55

Hm ich kann das voll und ganz verstehen so gibt es doch viele Momente in denen ich einfach keine Lust habe mit irgend wem auch nur zu Kommunizieren. Oder es gibt auch Leute mit denen man einfach mal nicht labern will.
Auf der anderen Seite bin ich irgendwie doch immer erreichbar. Handy hab ich immer an und dabei … aber ich muss dazu auch sagen das ich eher selten kontaktiert werde egal in welcher Form deswegen bin ich auch eher selten generft davon Erreichbar zu sein.^^

Was ich allerdings auch schlimm finde ist dieses heuchlerische eine Ausrede finden warum man keine Zeit/Lust hatte mit jemanden zu reden oder was zu machen. Da denke ich das viele gekränkt sind wenn man ihnen direkt sagt das man einfach keinen Bock hatte. Das ist schade denn ehrlichkeit ist eigentlich etwas gutes und man sollte Verständnis zeigen für das Gemüt anderer. Deswegen auch mein Motto immer direkt raus damit =P

Gruß
Lasse

Geica am 14. Oktober 2009 um 08:56

Wieviele Leute sich von sowas stressen lassen, is mir ein Rätsel! Oo
Ich hab vor 4 Wochen mein Handy abgeschaltet und hab es seitdem nicht mehr angeschalten (Okay, ich hab es verloren).
Und momantan hab ich kein Bedarf diesen Zustand zuändern bzw. vermisse ich es null. Mein nur wenn ich keinen Bock auf den ganzen Stress hab dann lässt man es halt weg und nach wenigen Tagen haben auch eure Freude/Familie etc. begriffen das sie euch in dieser Weise nich auffen Geist gehen können. Im Studi antwort ich auch nur wenns mir passt.

Lasst euch einfach nich von dem Zeug ärgern und probiert mal ne Weile ohne Handy. Is echt eine Entspannung sich mal nicht um anderen Mist kümmern zumüssen als um den Eigenen.

Bis denne. Geica / Robert

PS: Is euch die Ironie aufgefallen dieses Thema im Inet zudiskutieren! xD

viola am 14. Oktober 2009 um 16:18

Hey, find ich toll, dass es so viel Resonanz gibt! :D So, ist man echt motiviert fröhlich weiter zu bloggen und Maddin und ich haben auch schon einiges an neuen Idee :)

@Robert: Sind wir nicht alle ein bisschen Suchti? ;)

Aber, wenn es euch lieber ist, dann eröffnen wir einen Stammtisch. Jede Woche Diskussionsrunde bei einem Bier :P

Christian am 14. Oktober 2009 um 19:01

“Aber, wenn es euch lieber ist, dann eröffnen wir einen Stammtisch. Jede Woche Diskussionsrunde bei einem Bier :P”

DAS ist ein Wort!! ;o)
Und man könnte Dich beiselbem nehmen!

Philip am 14. Oktober 2009 um 22:18

Moin,
gefällt mir dein Beitrag! Ich hab mein Handy nun seit fast 2 Tagen permanent aus. Ich schau mal hin und wieder rein, aber das wars auch schon. Das Resultat: Es ist richtig entspannend!
Keine Störung mehr wärend einer Vorlesung oder überhaupt ABLENKUNG! Es ist so als ob ich eine Kamera von mir abwende.
Man hat nicht mehr den Zwang ständig nachzuschauen ob es neue Nachrichten gibt. Wenn ihr mich in Zukunft erreichen wollt..zumindest in kürzere Zeit..einfach anklingeln lassen..ich prüf das dann später^^

@Oli: Ja mit dem Skype ist ein bisschen schade…keinen mehr den ich nerven kann^^ Aber die Zeiten der Langeweile sind sowieso gezählt.

na denn,
weiter so!

Gruß Philip