2009
16.10
Autor
maddin
Kategorie
Kommunikation
Kommentare
2 Kommentare

Ich wollte Dir nur mal eben sagen…

Oder auch: das Handy ist nicht an sich böse!

Die moderne Telekommunikation bietet die Möglichkeit einer sehr engen Vernetzung unserer Gesellschaft. Die Freunde sind selten weiter weg als das Handy oder der nächste PC mit Internetanschluss. Dieser Umstand suggeriert vielen, sich auch ständig mitteilen zu müssen und ebenso das Recht auf eine schnelle Rückmeldung zu haben. Das sind natürlich vermessene Annahmen.

Nur, weil man jemanden per Handy immer erreichen kann heißt das nicht, dass man ihn über alles informieren muss. Nur, weil man eine Nachricht erhalten hat heißt das nicht, dass man umgehend antworten muss um der falschen Erwartungshaltung des Anderen gerecht zu werden. Da das Medium Internet beziehungsweise Mobilfunk nun aber die Möglichkeiten eröffnet in andauerndem Austausch zu stehen, sozusagen nie die Tür hinter sich zuzumachen, fällt es vielen schwer, sich einzuschränken. Dies eröffnet in vielen Fällen Konfliktpotenzial – “Warum bist Du nicht rangegangen?” oder “Warum hast Du nicht zurückgeschrieben?”. Häufig entwickeln sich hieraus  persönliche Streitereien, an denen selbst Beziehungen zerbrechen. Dazu sollte es natürlich nicht kommen. Aus diesem Grund aber das Medium zu dämonisieren ist nicht der richtige Weg. Vielmehr ist ein richtiger Umgang gefordert.

Das Handy ist das Mittel zur äußerst zeitnahen und nahezu ortsunabhängigen Kommunikation – ein Vorteil zum Beispiel gegenüber der Postkarte. Es ist also möglich Gedanken und Gefühle unmittelbar zu verbreiten. Lauf ich etwa durch die Landschaft, hör die Vögel, atme die klare Luft ein oder seh einen schönen Sonnenuntergang und werde erfüllt vom Gefühl “Das Leben ist toll!!” – dann kann ich das gleich mit einer noch so entfernten Personen teilen, indem ich eine SMS schreibe. Geteilte Freude ist doppelte Freude! Auf diese Weise lässt sich eine positive Welle schnell verbreiten und die Welt ein wenig verbessern :) Wer länger Bahn fährt und die Leute beobachtet kennt das – man sieht wie jemand eine SMS bekommt, liest und glücklich strahlt – gute Stimmung und Wärme wird über große Entfernungen verbreitet.

Natürlich kann gilt das ebenso für schlechte Stimmung und Kälte. An dieser Stelle kommt der richtige Umgang mit dem Medium zum Tragen. Während es unkritisch ist eine positive Welle weiterzugeben sollte die Übermittlung von negativen Nachrichten nicht im Überschwang der Gefühle stattfinden. In diesem Fall besonders und überhaupt darf die elektronische Kommunikation das wirkliche Gespräch nicht ersetzen oder zurückdrängen. Denn wer sich zum Großteil elektronisch austauscht hat sich nachher “in echt” nichts mehr zu sagen. Diese Kommunikationswege eignen sich generell nicht um sich grundlegend über relevante Themen auszutauschen, da die Ebene der echten menschlichen Nähe fehlt.

Auch sollen diese direkten Kanäle nicht dazu verwendet werden, unnützliche Dinge weiterzugeben, andere Menschen mit Nichtigkeiten zu überfluten. Sinnvoll eingesetzt aber ergibt sich neben der Möglichkeit des Verbreitens positiver Empfindungen die Funktion als enges Netz in Freundschaften. Egal, wie weit weg man ist, egal wann – man hat sein Auffangnetz dabei und ist Auffangnetz für die anderen. Es bringt Menschen näher zusammen und ermöglicht aktiv Bindungen auch über große Entfernungen zu halten.

Telekommunikation ist nicht einzig Fluch noch Segen. Ein sinnvoller Umgang ist nötig. Zurückhaltung, nicht alles zu machen, nur weil es möglich ist – dann überwiegen die Vorteile bei Weitem.

viola am 16. Oktober 2009 um 04:04

Du hast schon Recht. Diese ganzen Möglichkeiten der Kommunikation bringen uns in manchen Momenten auch näher und das über Kontinente. Und das ist auch gut so und toll!
Jedoch sollte es jedem frei gestellt sein, in Momenten, in denen er Ruhe haben möchte oder einfach mal für sich sein, sein Handy oder sonstwas auszuschalten und eben nicht erreichbar zu sein! :)

Christian am 16. Oktober 2009 um 09:18

Ich zitiere mich mal selbst:
“Christian am 12. Oktober 2009 um 20:12
Da ist auf jeden Fall sehr sehr viel wahres dran. Aber ich kenn jemanden, der bis vor kurzem KEIN Internetanschluß hatte und geradezu Suchterscheinungen zeigte …
Es ist nunmal ein zweischneidiges Schwert – wie ALLES im Leben.”

Oder um mit Babylon 5 zu sprechen (Botschafter Kosh, wenn ich mich recht entsinne):
“Understanding is a three-edged sword: your side, their side – and the truth.” (“Das Verstehen ist ein dreischneidiges Schwert: es gibt Deine Seite, deren Seite und die Wahrheit.”)
- das fiel mir nur grad auch noch ein ;o)